Gemeinde Remshalden

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Die Stationen im Überblick

Haus der Künstler Hans Gottfried von Stockhausen und Ada Isensee

Wohnhaus und Atelier der Glaskünstler Hans Gottfried von Stockhausen und Ada Isensee

Die beiden Künstler Hans Gottfried von Stockhausen und Karl Fuchs kannten sich aus Esslinger Zeit und waren miteinander befreundet. Von Stockhausen besuchte Karls Fuchs oft in dessen Buocher Sommerhaus „Finkenwiese“ in der Steinacher Str. 12. Von daher erwuchs in H.G. von Stockhausen und seiner Frau Ada Isensee, ebenfalls bildende Künstlerin, der Gedanke, in Buoch heimisch zu werden.

Im September 1973 zogen die beiden in eine Wohnung in der Villa „Reinfelder/Pfeilsticker“; Räume als Atelier standen ihnen in der Parkstr. 17 zur Verfügung. Der Eduard-Hiller-Straße mit ihrer Aussichtslage blieben die beiden treu, wenn auch in wechselnden Häusern: Sie wohnten danach noch im „Hillerhaus“ und im Haus „Mahler“. Schließlich konnten sie im Jahr 1980 nach der Geburt ihrer beiden Söhne das zwischen Mahler- und Hillerhaus gelegene bäuerliche Anwesen Eduard-Hiller-Str. 22 erwerben.

Nach umfänglich durchgeführter Renovierung mit Sachverstand und Liebe zum Detail sowie zu Erhaltenswertem bezog die Familie 1983 ihr neues Heim. Für beide Künstler gab es jetzt in diesem Haus Atelier-Räume. Das eindrucksvolle Panorama, das Buoch auszeichnet und das sich vom Obergeschoss des Hauses bietet, findet sich in zahlreichen Zeichnungen, Radierungen und Aquarellen wieder. Nach dem Einzug in das Atelier-Haus wurde die Familie in Buoch endgültig heimisch. H.G. von Stockhausen starb am 8. Januar 2010 in Buoch. Das Haus wird von Ada Isensee weiterhin bewohnt und als Atelier genutzt.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Quelle: Buocher Hefte Nr. 31, Sonderheft für H.G. von Stockhausen

 

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Ev. Pfarrkirche St. Sebastian mit Pfarrhaus

Ev. Pfarrkirche St. Sebastian

Buoch war eine der großen und reichen Urpfarreien der Gegend. Der Pfarrsprengel reichte vom Waiblinger Wald im Westen bis zur Wieslauf im Osten und von Öschelbronn im Norden bis Schornbach im Süden. Diese Urkirche behielt im Bistum Konstanz, dessen nördlichste Spitze sie bildete, über Jahrhunderte die Funktion eines geistlichen Zentrums, begünstigt durch ihre Lage an der Hohen Straße über die Buocher Höhe hinweg, welche die Räume Waiblingen und Winnenden mit den Berglen und dem Gebiet weiter östlich verband.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass in Buoch im Zeitraum zwischen 620 und 700 nach Christus eine hölzerne Kirche stand. Diese Kirche dürfte Maria, ihrer Schutzheiligen, unterstellt gewesen sein, wie Prof. Hans-Martin-Decker-Hauff vermutete. Später kamen noch die Kirchenheiligen Veit (um ca. 1000 nach Christus), vermutlich durch Gisela von Schwaben, die den Stauferkaiser Konrad II. geheiratet hatte, und der heilige Sebastian (in der Pestzeit des 14. Jahrhunderts) hinzu, unter dessen Namen die Kirche heute firmiert. Untermauert wird die Vermutung einer alten Kirche aus dem 7. Jahrhundert durch eine Ausgrabung unmittelbar vor der West- und Eingangsseite der Kirche im Jahr 2014: die zwei dort gefundenen menschlichen Skelette wurden von der Universität Heidelberg auf das Jahr 934 bzw. 1116 nach Christus datiert.  

Im Jahr 1270 überlässt das Kloster Lorch seine Rechte an der Kirche durch Schenkung dem Domkapitel Konstanz, nachdem zuvor die Herren von Neuffen auf ihre Rechte verzichtet und die Kirche mit Patronat und Zehnten an das Kloster Lorch abgetreten hatten. Infolge der Säkularisierung des Bistums Konstanz im Jahre 1803 gelangte die Kirche zunächst unter badische Herrschaft, bevor sie 1807 durch Kauf an das Herzogtum Württemberg kam. Der Schlussstein des Sternrippengewölbes in der Sakristei zeigt denn auch das Wappen des Konstanzer Domkapitels.

Die Buocher Kirche dürfte das älteste erhaltene Bauwerk im Ort sein. Der Turmchor ist romanischen Ursprungs und auf die Zeit um 1200 zu datieren, also in die staufische Epoche. Romanisch ist auch, neben den staufischen Quadern, das schmale Rundbogenfenster in der Ostwand des Chores. Viel zahlreicher sind dagegen die spätgotischen Stilelemente aus dem 15. Jahrhundert; dazu gehören, die gotischen Spitzbogenfenster im Erd- und Obergeschoss des Turms und das Kreuzrippengewölbe im Inneren des Chores. Die Fenster auf der Südseite des Langhauses weisen zwar gotisches Maßwerk auf, sind aber vermutlich im Zusammenhang mit einem Umbau am Übergang zur Renaissance entstanden.

Im Innern sind insbesondere ein Gekreuzigter mit einem dessen Blut auffangenden Engel im Chor hinter dem Altar, der Johann Leßle aus Schwäbisch Gmünd zugeschrieben und auf 1680/90 datiert wird, sowie die neuzeitlichen, von dem Buocher Glaskünstler Hans Gottfried von Stockhausen geschaffenen farbigen Glasfenster zu bewundern. Der Taufstein stammt aus spätgotischer Zeit. An der Nordwand des Langhauses ist ein barockes Epitaph aus dem 17. Jahrhundert zu sehen. Der aus Heidenheim gebürtige Künstler Helmuth Uhrig, der sich am Kubismus von Kandinsky und Picasso  orientierte und Kunstbeauftragter der evangelischen Landeskirche Württemberg war, schuf nach dem zweiten Weltkrieg die Vorlagen für die prächtigen Kanzel- und Altartücher der Buocher Kirche, die noch heute in Gebrauch sind.

Die Kirche ist mit einem Dreier-Geläut (G-, B- und C-Glocke) der Glockengießerei Kurtz aus Stuttgart ausgestattet, das nach dem Zweiten Weltkrieg eingebaut worden ist. Gespendet wurden zwei Glocken des Geläuts von Familie Bretschneider-Breuninger aus Stuttgart zur Erinnerung an ihren im Zweiten Weltkrieg in Russland gefallenen Sohn Joachim.

Die Kirche verfügt über eine kleine aber feine Orgel, die im Jahr 1766 (während der Amtszeit von Pfarrer Reinfelder) beim Ulmer Orgelbaumeister Georg Friedrich Schmahl, einem der bedeutendsten Orgelbauer seiner Zeit, in Auftrag gegeben worden war. Diese spätbarocke Orgel wurde von Meistern ihres Fachs in den folgenden Jahrhunderten gepflegt, erneuert und ausgebaut und ist auch nach 250 Jahren noch ein musikalisches Kleinod.

Die Sonnenuhr an der Südwand der Kirche stammt aus dem Jahr 1826. Vorher hat sich an gleicher Stelle eine Sonnenuhr befunden, die in den Jahren 1768 und 1788 von Georg Groß aus Winnenden auf eine Putzfläche aufgemalt worden war.

Quelle: Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg – Rems-Murr-Kreis, 1983

Ernst Rose in Buocher Hefte Nr. 22 (S. 3ff.), Harald Deiß in Buocher Hefte Nr. 40 (S. 7), Winfried Kübler in Buocher Hefte Nr. 36 (S. 55), Harald Deiß in Buocher Hefte Nr. 33 (S. 56), Harald Deiß in Buocher Hefte Nr. 35  (S. 65 f.), Karl Apel in Buocher Hefte Nr. 21 (S. 5), Karl Apel in Buocher Hefte Nr. 23 (S. 49), Karl Apel in Buocher Hefte Nr. 27 (S. 22 f.), Mathias Seiler in Buocher Hefte Nr. 8 (S. 18 ff.), Mathias Seiler in Buocher Hefte Nr. 8 (S. 13 ff.), Ernst Rose in Buocher Hefte Nr. 33 (S. 11 ff.).

 

Das Pfarrhaus, ehemals Pfarrhof

Der Buocher Pfarrhof war einer der am schönsten gelegenen und am längsten erhalten gebliebenen Pfarrhöfe Württembergs. Der Pfarrhof war in früheren Jahrhunderten das größte landwirtschaftliche Anwesen in der Gemeinde. Er muss bereits zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung von Buoch im Jahr 1270 bestanden haben.

Das Pfarrhaus stammt aus dem 16. Jahrhundert. Von den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden ist nur noch das ehemalige Waschhaus (heute Garage) erhalten geblieben. Die übrigen Wirtschaftsgebäude des Pfarrhofs wurden 1974 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Ein Modell des ehemaligen Zustandes wird im „Museum Remshalden“ in Grunbach ausgestellt.

Das Pfarrhaus selbst wurde in den Jahren 1732/34 grundlegend renoviert. Das äußere Bild blieb seitdem im Wesentlichen unverändert. Die Steintafel neben der Haustür trägt neben dem Wappen des Konstanzer Domkapitels die Inschrift C.P.I.F.W. (das heißt: Constanzische  Pflege im Fürstentum Württemberg) und die Jahreszahl der Renovierung 1732.

Die nachweisbare Liste der Buocher Pfarrherren ist lang. Erster nachweisbarer Pfarrherr war Eberhard von Staufeneck, der von 1275 bis 1308 wirkte, Domherr im Bistum Konstanz war und dessen Familie zu den führenden staufischen Reichsministerialen gehörte und eng mit den Rechbergern verwandt war. Die Buocher Pfarrherren trugen bis zum 18. Jahrhundert in der Regel den Titel Magister, was dem höchsten akademischen Grad einer Fakultät und der Berechtigung zur Hochschullehre entsprach.

Im frühen 19. Jahrhundert war der Buocher Pfarrhof unter Pfarrer Reinfelder (1795 – 1856) ein gastlicher Ort, der große Anziehungskraft auf Dichter, Künstler, hohe Staatsbeamte und Generäle ausübte. Hier fand der Buocher Dichter-Freundeskreis seinen Anfang mit dem Göppinger Theologen und Dichter Rudolf Kausler (einem Neffen von Pfarrer Reinfelder), dem Reutlinger Schriftsteller Hermann Kurz und dem Horber Schriftsteller Berthold Auerbach. Die drei waren Studienkollegen aus dem Tübinger Stift. Die Pfarrerfamilie Reinfelder förderte auch den bekannten Lithographen Johannes Wölfle aus Ebersbach an der Fils. Der Stuttgarter Maler und General Eduard von Kallé gehörte ebenso zu den gern gesehenen Gästen im Buocher Pfarrhaus wie die Schriftsteller Nikolaus Lenau, Ottilie Wildermuth und der Waiblinger Oberamtsrichter und Dichter Karl Mayer, der Mitglied des Schwäbischen Dichterkreises um Herzog Alexander von Württemberg war.

Quellen: Ernst Rose in Buocher Hefte Nr.22 (S. 7), Karl Apel in Buocher Chronik (S. 193 ff.), Karl Apel in Buocher Hefte Nr. 13 (S. 69 ff.), Karl Apel in Buocher Hefte Nr. 22 (S. 60ff), Karl Apel in Buocher Hefte Nr. 21 (S. 54 ff.), Renate Winkelbach in Buocher Hefte Nr. 23 (S. 9 ff.), Thomas Scheufelen in Buocher Heft Nr. 27 (S. 49 ff.), Karl Apel in Buocher Hefte Nr. 27 (S. 59 ff.).

 

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Gemeindebackhaus Buoch

Eine ganze Reihe von „Backhäusle“ ist in den 5 Remshaldener Ortsteilen vorhanden. In Buoch steht eins, in Geradstetten und Grunbach gibt es jeweils sogar zwei und in Hebsack und Rohrbronn ist je eines in Gebrauch, insgesamt also sieben. Sie sind fast ausnahmslos in der Liste der Kulturdenkmale des Landesdenkmalamts eingetragen und aus dem Ortsbild nicht mehr wegzudenken. 

Der  Bau von Backhäusern als öffentliche Einrichtungen geht zurück auf einen Erlass von 1835.

Auszüge aus dem Erlass des Königlichen Ministeriums des Innern an die K.Kreis-Regierungen, betreffend die Einführung von Gemeindebacköfen vom 18. Mai 1835: „Die unverkennbaren Vorteile, welche die Errichtung und Benützung öffentlicher Backöfen sowohl in Beziehung auf größere Feuersicherheit, als in Beziehung auf Holzersparnis, geringeren Bauaufwand und Gewinnung von Raum darbietet, haben die schon in der Landesfeuerordnung von 1752 enthaltene Aufforderung an die Kommunen, auf die Errichtung von öffentlichen Backhäusern..., dass in allen Orten, wo dergleichen Kommune-Backöfen noch nicht bestehen, dieselben innerhalb eines Jahres zur Ausführung gebracht werden sollen..., so ist doch durch mehrere neuerliche Vorgänge, in welchen einzelne Gemeinden freiwillig sich entschlossen haben, dergleichen öffentliche Anstalten bei sich einzuführen, die Zweckmässigkeit und Nützlichkeit derselben so unzweifelhaft herausgestellt worden, dass die Behörden sich dringend aufgefordert finden müssen, wenigtens die, wo jene Hindernisse nicht eintreten, sondern bloßes Vorurteil dem Vollzuge des Gesetzes bisher im Wege stand, allen ihren Einfluss anzuwenden, um dem Besseren Eingang zu verschaffen..“

In Buoch wurde aufgrund einer neuen feuerpolizeilichen Verordnung von 1856 vom Gemeinderat beschlossen, ein Gemeindebackhaus zu bauen. Dazu erwarb die Gemeinde vier Ruthen Platz in der Dorfmitte westlich der Hauptstraße nach Winnenden, wo das neue Gebäude errichtet wurde. Die Buocher Einwohnerschaft erbrachte durch den Transport des Baumaterials Dienstleistungen. Zusätzlich wurden Arbeiten von Bürgern geleistet, mit denen Straftaten oder Zahlungsausstände abgegolten wurden. Zu den häufigsten Straffälligkeiten gehörte das verbotene Holzmachen im Gemeindewald.

1883 wurde das über hundert Jahre alte Backhaus  mit Hilfe von Jugendlichen des Heimatvereins Buoch gründlich renoviert. Das ist ein gelungenes Beispiel, wie durch die Bereitschaft der Bürger altes Kulturgut erhalten und wie besonders bei der Jugend Interesse und Geschichtsbewusstsein geweckt werden kann.

Heute, wie früher, sind die Backhäuser in den Remhaldener Ortsteilen weit mehr als ein Ort, an dem nach alter Tradition regelmässig Brot  und Salzkuchen gebacken werden. Es geht hierbei nicht nur ums Backen sondern auch um Kontaktpflege. So sind die Backhäuser auch ein Ort des Zusammentreffens der örtlichen Gemeinschaft und dienen dem Austausch. Umso schöner und wertvoller ist es, dass sich zahlreiche Bürger und Vereine ehrenamtlich und mit großem Engagement für den Erhalt und die Pflege der Backhäuser in der Gemeinde einsetzen.     

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Der Untere Dorfbrunnen und die Wasserversorgung Buochs

Buoch liegt auf einem nach allen Seiten abfallenden Höhenrücken, dessen Gesteinsaufbau für die Wasserversorgung von Bedeutung ist. Eine sanft gewölbte Kuppe aus Verwitterungsschutt bedeckt eine Liasalpha-Schicht, in die bis zu 15 Meter mächtige Sandsteine und Schiefertone hineinragen. Darunter liegt eine etwa 1,50 Meter dicke Rätsandsteinschicht über einer 20 bis 25 Meter mächtigen Knollenmergelschicht. Die Grenzflächen der einzelnen Schichten liegen mit einer Neigung von ca. 1 Grad nach Südosten in etwa parallel untereinander. Weil der Knollenmergel wasserundurchlässig ist, kann Grundwasser aus den darunter liegenden Stufen nicht nach oben aufsteigen, aber auch Niederschlagswasser nicht nach unten absickern.

Buoch ist dadurch auf die hier fallenden Niederschlagsmengen angewiesen. Das Niederschlagswasser fließt durch die oberhalb des Knollenmergels liegenden Schichten unter dem Ort hindurch und tritt an den Hängen als Quellen heraus. Ein Quellenkranz umgibt Buoch und diente früher zur Wasserversorgung der Bewohner. Die bekanntesten heute noch vorhandenen Quellen sind das Reisenbrünnele, Rennenbrünnele, Weiherbrünnele und die Hirschquelle. Aber auch innerhalb des Dorfes hatte man mithilfe von Brunnen unterirdische Wasseradern angezapft. Anfangs gab es den Unteren Dorfbrunnen, den Pfarrbrunnen und den Mittleren Dorfbrunnen, um die sich Ende des Mittelalters 22 Lehenshöfe dreieckförmig ausgebreitet haben. Anfangs reichte die Wassermenge für die in Buoch lebenden Menschen aus. Mit  zunehmender Bevölkerung kam es in Trockenperioden bei der Wasserversorgung jedoch immer wieder zu Engpässen.
Deshalb wurden zusätzlich zwei Brunnen im Oberdorf gebaut, einer westlich der heutigen Winnender Straße und einer beim alten Rathaus. 1847/48 wurden der Innere- und der Äußere-Wolfsbrunnen an der heutigen Eduard-Hiller-Straße und 1872 der Vorstadtbrunnen an der heutigen Steinacherstraße gefasst.

Aus alten Bürgermeisterrechnungen, die ab 1693 in Buoch vorhanden sind, sind Angaben über das Bauen und Reparieren der Brunnen vorhanden. Danach gab es Schöpfbrunnen, Schwingbrunnen, Ziehbrunnen und Pumpbrunnen. Ständig waren Handwerker damit beschäftigt die Brunnen funktionsfähig zu halten und zu verbessern. Einige der alten Brunnenanlagen sind noch erhalten oder restauriert worden, werden aber zur Wasserversorgung nicht mehr genutzt. Der vermutlich älteste Brunnen ist der Untere Dorfbrunnen an der Kronenkreuzung. Er wurde während des Ausbaues der Ortsdurchgangsstraße zu Beginn der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts entdeckt und von Mitgliedern des Heimatvereins freigelegt. Der Brunnenschacht ist mit Sandsteinen ausgemauert und besitzt eine lichte Weite von 2,05 Meter und eine Tiefe von 5,10 Meter. Aus alten Reparaturrechnungen konnte ermittelt werden, dass es sich um einen Ziehbrunnen gehandelt hat. Durch den Straßenausbau liegt er heute am nördlichen Rand der Steinacher Straße und wurde aus Sicherheitsgründen mit einem Schachtdeckel verschlossen. Der oberirdische Aufbau des Brunnens wurde etwa 10 Meter nach Norden verschoben und nach den aufgefundenen alten Rechnungen rekonstruiert.  Der rekonstruierte Brunnen wird jährlich zur Osterzeit von den Buocher Landfrauen als „Buocher Osterbrunnen“ gestaltet und aufwendig dekoriert.
Das Rennenbrünnele wurde ebenfalls 1981 von Mitgliedern des Heimatvereins wieder instand gesetzt. Es befindet sich am südlichen Ortsrand und wurde als Schöpfbrunnen genutzt. Aus einer Sandsteinspalte fließt das Wasser in die Brunnenstube. Dieser Brunnen wurde hauptsächlich bei Wasserknappheit genutzt.

Ebenfalls mit zu den ältesten Brunnen in Buoch zählt der Pfarrbrunnen. Er befindet sich nur wenige Meter östlich des Pfarrhauses und kann noch heute besichtigt werden. Es handelt sich um einen alten Pumpbrunnen, der heute mit einem aus Sandsteinen gemauerten Brunnenkranz und einer gusseisernen Saugpumpe aus neuerer Zeit versehen ist.  Aus den Bürgermeisterrechnungen von 1777/78 lassen sich wichtige Hinweise über die Konstruktion der früheren Pumpe entnehmen. Ende des 19. Jahrhunderts war die Wasserversorgung in Buoch nicht mehr zufriedenstellend. Das Bevölkerungswachstum und die Viehhaltung nahmen stark zu. Hinzu kam, dass immer mehr Sommerfrischler und Kurgäste den sich zum Höhenluftkurort entwickelnden Ort aufsuchten und sich die Beschwerden wegen ungenügender Wasserversorgung häuften. So wurde Ende des 19. Jahrhunderts ein neues Wasserversorgungssystem geschaffen.

Quelle: „Buoch in Wort und Bild“ von Karl Apel  

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den Buocher Heften Nr. 2, 16 und 18.

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Gemeindehaus

Das neue Gemeindehaus bei der Kirche und die Entdeckung der Produktionsstätte der rotbemalten Buocher Feinware

Für Versammlungen stand den Einwohnern von Buoch bis 1982 nur der Saal im Gasthaus „Krone" zur Verfügung, der bei Veranstaltungen oft nicht alle Besucher fassen konnte.

Und für die Vereine gab es damals nur einen Übungsraum im Buocher Rathaus, der fast täglich, teilweise sogar mehrfach, belegt war. Im April 1975 forderte deshalb der Buocher Ortsausschuss die Gemeindeverwaltung Remshalden auf, im Gasthaus Hirsch Öffentlichkeits- und Vereinsräume einzurichten. Das Gebäude war inzwischen in den Besitz der Gemeinde Remshalden übergegangen. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, kam es ein Jahr später zur Gründung eines „Fördervereins zugunsten eines Gemeindehauses". An der Gründungsversammlung im Januar 1976 nahmen Vertreter aller sieben Buocher Vereine teil. Auf dieser Gründungsversammlung wurde beschlossen, die Gemeindeverwaltung zu bitten, in der Ortsmitte ein geeignetes Gemeindezentrum zu schaffen.

Die Pläne, im Gasthaus „Hirsch" einen Festsaal für die Vereine einzurichten, ließ man fallen. Als günstigste Lösung wurde vorgeschlagen, das Rathausgebäude zu nutzen, weil es zentral gelegen ist und über die notwendigen Grundstücksflächen für Anbauten und Parkplätze verfügte. Durch entsprechende Baumaßnahmen sollte dort ein Festsaal in Kombination mit Übungs- und Vereinsräumen sowie einer Küche geschaffen werden. Die Buocher Vereine erklärten sich bereit, durch entsprechende Eigenleistungen zum Gelingen des Projektes mit beizutragen.

Im Februar 1976 fand dann in der „Krone" in Buoch eine stürmische Bürgerversammlung statt, bei der das Thema „Gemeindehaus" behandelt wurde. Verwaltung und Gemeinderat blies damals ein eisiger Wind um die Ohren, und das Anliegen der Buocher wurde erhört. Noch im selben Jahr fertigte das Bauamt erste Entwürfe für ein Gemeindehaus an und 1977 folgte ein Architektenwettbewerb. Im April 1978 wurde auf Beschluss des Gemeinderates der Auftrag für den Bau an das Architekturbüro Fischer und Yöndel vergeben. Nach einigen Planänderungen wurde im Juli 1980 mit dem Bau begonnen. Am 26. Februar 1982 wurde das Gemeindehaus der Buocher Bevölkerung und den Vereinen mit einem Festakt übergeben. Die Gesamtkosten betrugen ohne Baugrundstück rund 1,9 Millionen DM.  Die Buocher Vereine haben dabei einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung geleistet. So wurden zugunsten des Gemeindehausbaues zwei große Waldfeste sowie im Juli 1981 ein Dorffest unter den Kastanien bei der Kirche veranstaltet. Die erwirtschafteten Gelder sollten zur Mitfinanzierung der Baukosten des Gemeindehauses beitragen. Als weitere Leistung wurden vor Baubeginn im Frühjahr 1980 von freiwilligen Helfern aller Buocher Vereine Vorbereitungsarbeiten für den Neubau übernommen. 60 freiwillige „Abbruchspezialisten" aus Buoch haben mit viel Sach- und Fachverstand das Waschhäusle und die Schultoiletten abgebrochen. Die Gemeinde konnte dadurch 15 000 DM einsparen. Mit Kompressor und viel Handarbeit wurde der ehemalige Gefrierraum im unteren Rathausgeschoss abgebaut, der heute als Lagerraum für Stühle, Tische und Sportgeräte dient. Dadurch wurden weitere 4000 DM an Kosten eingespart.

Beim Aushub der Baugrube im Sommer 1980 stieß man auf auffällige Scherbenfunde. Nähere Untersuchungen durch das Landesamt für Denkmalpflege ergaben, dass es sich um Fundstücke der „Rotbemalten“ oder „Schwäbischen Feinware“ handelte, und dass sich die von Fachleuten lange gesuchte Produktionsstätte dieser mittelalterlichen Keramik in Buoch befunden haben muss. Der Ort hat durch diese Bodenfunde eine wesentliche Aufwertung in der Kulturgeschichte des Landes bekommen; man spricht seither von der rotbemalten Buocher Feinware. Die Buocher Keramikproduktionsstätte produzierte vom 12. bis zum 15. Jahrhundert in einem beträchtlichen Ausmaß vor allem feines Tafelgeschirr und Ofenkeramik. Das Verbreitungsgebiet war beachtlich. Zentrum war der Mittlere Neckarraum. Aus Buocher Produktion sind im Kloster Marienthal in Steinheim/Murr Becher-Kacheln gefunden worden und in Speyer ein Buocher Gießgefäß in Tierform.

Quelle: Buocher Heft Nr. 23, Karl Apel, Buocher Heft Nr. 41, Ernst Rose 

Museum im Hirsch

Erbaut im Jahre 1784 vom Forstbeiknecht Johann Christof Mäulen und seiner Rosa Cathrin (Inschrift im Bogen der Eingangstür: JCM 1784 RCM). Das Gebäude wechselte 1846 den Besitzer und wurde 1880 an Rosina Seiz in Buoch veräußert. Diese verkaufte das Anwesen 1888 an Gottlob Frank, der es einige Jahre später zum „Gasthof Hirsch“ umwandelte. Der Gasthof wurde bis 1970 erfolgreich betrieben, bis er aus Altersgründen der Wirtsfamilie aufgegeben wurde.

Das Gebäude wechselte danach mehrfach den Besitzer, bis es dem Verfall nahe war. Schließlich ging es in den Besitz der Gemeinde Remshalden über und wurde 1985/1986 gründlich renoviert, unter aktivem Arbeitseinsatz zahlreicher Mitglieder des Heimatvereins. Seither wird es im Erdgeschoss mit dem zugehörigen Gewölbekeller als Museum genutzt. In den darüberliegenden Geschossen entstanden zwei Eigentumswohnungen.

In der Dauerausstellung im Museum wurde eine Abteilung der Buocher Keramik gewidmet. In den Vitrinen befinden sich bedeutende Fundstücke der „rotbemalten“ oder „schwäbischen“ Feinware, zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert in Buoch erstellt. Da Buoch im 19. Jahrhundert ein Ort geistiger und künstlerischer Prominenz war, widmet sich eine zweite Dauerausstellung den Dichtern, Schriftstellern und Malern, die in Buoch lebten und wirkten. Diese Dauerausstellung wurde vom Deutschen Literaturarchiv Marbach 2016 neu gestaltet.

Das Museum wird durch den Heimatverein Buoch e.V. geführt. Dieser ist auch für die zwei jährlich stattfindenden Sonderausstellungen verantwortlich, die sich durch eine überraschend große Bandbreite auszeichnen.

Quelle: Karl Apel, Buoch in Wort und Bild (S. 235-238)

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Östliche Buocher Villenzeile

Villa Malepartus

Die Villa Malepartus auf der Südseite der Steinacher Straße ist Teil der östlichen Buocher Villenzeile, welche um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert die früher gebaute westliche Villenzeile in der Eduard-Hiller-Straße ergänzt hat.

Das Haus befindet sich, vom Remstal kommend, auf der rechten Seite, am ehemaligen Ortseingang von Buoch. Es wird beschirmt von einer stattlichen Linde, die noch heute die besondere Lage des Hauses betont.

1891 ließ der Inspektor Richard Röhn aus Burgstall die „Villa Malepartus“, Steinacher Str. 4, erbauen. Es handelt sich um einen klassizistischen Gebäudetypus mit charakteristischem Eingangsportal und einem auf Pfeilervorlagen ruhenden Giebeldreieck. Das Haus verdankt seinen Namen, ganz im Sinne der Romantik, der Burg von „Reineke Fuchs“ in Goethes gleichnamigem Gedicht.

Quelle: Ernst Rose in Buocher Hefte Nr. 22 (S. 15)

 

Haus Finkenwiese, Fuchs-Haus

Das Haus „Finkenwiese“, Steinacher Str. 12, das sog. „Fuchs-Haus“, verdankt seinen Namen dem Gewann, in dem es im Jahr 1902 nach den Plänen des Malers Karl Fuchs für die Journalistin Emmy Becher, Tochter des Reichsregenten und Mitglieds des Rumpfparlaments von 1848 sowie Übersetzerin des Kinderbuches „Der kleine Lord“, erstellt worden ist.

In ihm spiegelt sich der aufkommende Jugendstil, besonders im Eingangsbereich, wieder. Das Jugendstilornament der Haustür soll nach der Überlieferung einen Fuchsbau, wohl in Anspielung auf den Planfertiger, symbolisieren. Der Dachaufbau bringt ein neues expressives Element ins Spiel.

Das Haus ist im Wesentlichen bis auf die nachträgliche Verglasung der Veranden und die Holzverschalung bzw. den Verputz der Fachwerkgiebel unverändert geblieben. Auch das Mobiliar aus der Entstehungszeit ist noch weitgehend im Gebrauch der Nachfahren des Malers Karl Fuchs, die das Haus nutzen. Karl Fuchs selbst hat das Haus mit seiner Familie in den Jahren 1902 bis 1908 bewohnt. Im Haus Finkenwiese verkehrten seinerzeit namhafte Maler, wie Pleuer, Hölzel, von Haug, Molfenter, Nägele, Corinth und Strich-Chapell sowie die Schriftstellerin Isolde Kurz, die Tochter von Hermann Kurz. Diese schrieb 1918 das Buch „Aus meinem Jugendland“ als Gast in diesem Haus. 

Quelle: Ernst Rose in Buocher Hefte Nr. 22 (S. 20)

 

Landhaus „Bimini“

Das im Geiste des romantischen Historismus um 1903 von dem Kunstmaler Karl Fuchs entworfene und im Auftrag des Bauherrn General Dr. phil. Albert von Pfister erbaute Landhaus „Bimini“, Steinacher Str. 18, hat seinen Namen der gleichnamigen Inselgruppe vor der Ostküste Floridas zu verdanken. Diese Inselgruppe erfuhr durch Heinrich Heine in dem Gedicht „Bimini“ als Insel der Jugend eine romantische Würdigung. General Dr. von Pfister war wohl ein Heine-Verehrer.

In diesem Haus verkehrte unter anderem auch Paul von Heyse, der fast zu Unrecht in Vergessenheit geratene, erste deutsche Literaturnobelpreisträger von 1910, der in seiner Münchner Zeit mit zahlreichen Schriftstellerkollegen, wie Gottfried Keller und Eduard Mörike, in engem Austausch stand.

Markantes Wahrzeichen des „Bimini“-Hauses ist der „neostaufisch“ mit Zinnen bekrönte Wohnturm, an den sich das aus Backsteinen ausgeführte Gebäude wie eine nachträgliche Zutat anlehnt. Die Villa vermittelt, obwohl in einem Zuge erbaut, gewollt den Eindruck des zufälligen Nebeneinanders unterschiedlicher Baukörper ganz im Sinne der Romantik. Der an der Nordfassade vorgelagerte eingeschossige Eingangstrakt wurde nachträglich in gleicher Backsteinausführung angebaut, ordnet sich dem Ganzen harmonisch unter und ist auf den ersten Blick nicht als spätere bauliche Zutat zu erkennen.

Quelle: Ernst Rose in Buocher Hefte Nr. 22 (S. 17)

 

Villa Dorsch – Landhaus Solhem

Bei der Villa Dorsch bzw. dem Landhaus Solhem (= Sonnenheim), Steinacher Str. 28, ist angesichts des Zwerchgiebels, wenn auch in einer schmalbrüstigen Ausführung mit halbkreisförmigem Giebelfenster, eine Stilverwandtschaft zum „Hillerhaus“ unverkennbar.

Das Haus wurde von dem Pfarrer und Schriftsteller Paul Dorsch, dessen Ehefrau eine Tochter von General Bullinger war, um das Jahr 1907 erbaut. Während des Ersten Weltkriegs verkaufte er das Anwesen. Seit den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts bewohnte es der Kunstliebhaber und Maler Wilhelm Schick bis zu seinem Tode im Jahre 1989.

Wilhelm Schick war überaus künstlerisch und musisch begabt. Er war Autodidakt im Klavier spielen, nahm jedoch bald Unterricht bei bekannten Musikpädagogen und war ebenso über viele Jahre Organist in der Buocher Kirche. Er widmete sich auch intensiv der Malerei und Schriftstellerei und war ein leidenschaftlicher Sammler von Antiquitäten. In seinem Haus verkehrten namhafte Politiker wie Reinhold Maier und Theodor Heuß. Zu seinen Vorfahren durfte er Justinus Kerner und Mendelsohn Bartholdy zählen.

Die Villa Dorsch ist seither in privater Hand. Die Außenansicht ist bis heute im Wesentlichen unverändert.

Quelle: Ernst Rose in Buocher Hefte Nr. 22 (S.18), Karl Apel, Buoch in Wort und Bild (S. 2245/226).

 

Westliche Buocher Villenzeile

Villa Reinfelder/Pfeilsticker

Die Villa Reinfelder/Pfeilsticker, heute als Haus Herrlen in der Eduard-Hiller-Str. 16 bekannt, wurde 1833/34 von dem Königlichen Waldschützen Hodum erbaut, 1846 von Dr. jur. Reinfelder, dem Sohn des Buocher Pfarrers Reinfelder, erworben und als Sommerhaus genutzt.

Im Jahr 1848 wurde es grundlegend umgebaut, vermutlich von dem namhaften Stuttgarter Architekten Christian Leins. Die heute an der südwestlichen und südöstlichen Ecke des Hauses vorhandenen Veranden wurden nachträglich angebaut, die Verglasung erfolgte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Gebäude war daher ursprünglich von einem weit vor die Südfassade vorspringenden Mittelrisalit geprägt, der bei dem heutigen Erscheinungsbild kaum mehr erkennbar ist.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wohnten zeitweise Eduard Hiller und Hermann Kurz in der Villa. Hermann Kurz, der auch mit dem deutschen Nobelpreisträger Paul Heyse in Verbindung stand, schrieb dort seinen Roman "Schillers Heimatjahre", auf den eine Gedenktafel über dem Eingang hinweist. Ebenso brachten beide 1871 die Anthologie „Deutscher Novellenschatz“ heraus, ein Maßstab für deutsche Erzählkunst.

1909 wurde das Haus von Präzeptor i.R. (Oberlehrer) Frick erworben, der darin das "Kurhaus Luginsland" einrichtete. Dieser warb in großzügig aufgemachten Anzeigen mit folgenden Hinweisen: „Behagliche Zimmer - gute Küche - vorzügliche Weine - ausgezeichneter Kaffee - zu zahlreichem Besuch sind auch Touristen und Passanten freundlichst eingeladen“. In den 20iger Jahren ging die Villa an Oberst Klotz über und befindet sich heute noch im Besitz seiner Enkelin.

Quelle: Buocher Hefte Nr. 22 (S. 13)

 

Eduard-Hiller-Haus

Das sogenannte "Hillerhaus" in der heutigen Eduard-Hiller-Str. 20 ist ein anderthalbgeschossiges, im Biedermeierstil errichtetes Wohnhaus mit prägendem Zwerchgiebel, der sich als Bauglied auf Renaissance-Bauformen (Palladio) und antike Vorbilder zurückführen lässt. Es ist demnach ebenso wie die Villa Reinfelder/Pfeilsticker noch dem Klassizismus verhaftet.

Es wurde 1846 wie schon Jahre zuvor die Villa Reinfelder/Pfeilsticker von dem Königlichen Waldschützen Hodum erbaut. Das Haus stellt weder eine großbürgerliche Villa noch ein Bauernhaus dar. Es bildet vielmehr einen bescheidenen, aber wohlproportionierten Wohngebäudetypus mit kleinstädtischem Anspruch im Dorf. Zunächst wurde es als Wohnhaus genutzt. Schon bald wurde es jedoch das Wirtshaus „Zur Rose“. Jedoch im Jahr 1870 wurde der Schankbetrieb eingestellt und das Haus wurde vom Stuttgarter Bankier Schulz, für den kränkelnden Dichter Eduard Hiller (1818 - 1902), als Ruhesitz für dessen letzten Lebensabschnitt, erworben.

Eduard Hiller lebte über 30 Jahre in diesem Haus, in der nach ihm benannten Straße und verfasste zahlreiche Gedichte, viele davon in schwäbischer Mundart. Zeugnisse der Dichtkunst sind noch heute im Museum im Hirsch zu sehen.

Der südlich gegenüberliegende Garten des „Hillerhauses“ wurde im Stile der italienischen Renaissance angelegt. Diesen bezeichnete man auch als "Florentiner Garten", welcher ebenso wie das Innere des Wohnhauses in der Zeit um 1930, von dem als Exponenten der Stuttgarter Architekturschule bekannten Architekten Prof. Paul Schmitthenner, umgestaltet und ist so im Wesentlichen noch erhalten.

Quelle: Buocher Hefte Nr.22 (S. 14)

 

Haus Mahler

Das "Haus Mahler" in der Eduard-Hiller-Str. 24 geht auf einen Entwurf des Buocher Malers Karl Fuchs zurück. Es hat im Jahr 1911 beim Bau der Wasserleitung bereits bestanden, wie aus den damaligen Leitungsplänen hervorgeht. Den Bauschauprotokollen ist zu entnehmen, dass 1908 der Kunstmaler Karl Fuchs Baupläne vorgelegt und um die Baugenehmigung ersucht hat. Das Baugesuch wurde am 11. Juni 1908 vom Oberamt genehmigt.

1926 wurde das Gebäude von Generalleutnant von Epple bewohnt und Mitte der 30er-Jahre als Kindererholungsheim von einem Fräulein Margarete Rustige, einer ausgebildeten Lehrerin, betrieben. Die Betreuung scheint sehr ganzheitlich ausgerichtet gewesen zu sein. Sport, Spiel, gesunde Ernährung, Körperpflege – für ärztliche Betreuung war gesorgt, der Arzt Doktor Klemm wohnte im Nebenhaus. Leider erwies sich das Erholungsheim als ein nichtrentables Unterfangen und wurde deshalb Ende der 1930iger Jahre wieder geschlossen.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945, sollen im „Haus Mahler“zwischen den französischen Militärs und dem als Kriegsgefangenen verkleideten, inkognito angereisten Oberbürgermeister Strölin Verhandlungen zur kampflosen Übergabe der Stadt Stuttgart stattgefunden haben.

Das Haus wurde in jüngerer Zeit modernisiert, wobei die Fassade und die westliche Dachseite nicht unbedingt im Sinne des ursprünglichen Erscheinungsbildes umgestaltet worden sind.

Quelle: Ernst Rose in Buocher Hefte Nr. 22 (S. 22)