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Die 12 Stationen im Überblick

1 - Evangelische Pfarrkirche St. Dionysius; 2 - Altes Schul- und Rathaus; 3 - Ernst-Heinkel-Brunnen; 4 - ehemaliges Lehrerwohnhaus; 5 - Backhaus an der Linde; 6 - ehemaliges Olgastift; 7 - Standort ehemaliges Geburtshaus Ernst Heinkel; 8 - Ernst-Heinkel-Straße; 9 - ehemalige "Untere Kelter"; 10 - ehemaliges Schulhaus; 11 - ehemalige "Mittlere Kelter" und "Obere Kelter" (Museum); 12 - Gemeindebackhaus Olgastraße 25

Evangelische Pfarrkirche St. Dionysius

Karte des Kirchenbezirks von 1832
Die Dionysiuskirche vor 1895

Zwei Fakten sprechen für eine Ortsgründung im 8. Jahrhundert. Die während der Westfränkischen Kolonisation gegründeten Siedlungen tragen alle die Namensendung ...bach und das Patronat des Heiligen St. Dionys für die Ortskirche.

In ganz Süddeutschland gibt es diesen Kirchenheiligen nur noch in Herbrechtingen und Esslingen. In beiden späteren Stadtkirchen ist eine um 700 entstandene Cella nachgewiesen die auch namentlich im Testament des Abtes Fulrad (710-784) vom Kloster St. Denis bei Paris aufgeführt werden. Er war erster Bischof im Frankenreich, Verwalter der Reliquien diese Märtyrers aus dem 3. Jahrhundert, ein bedeutender Berater Karls des Großen und treibende Kraft bei der Missionierung Süddeutschlands und dem Elsass. In diesem Zusammenhang könnte auch hier, auf dem Bergsporn bei den ersten Gehöften des fränkischen Kronguts oberhalb der heutigen Staig eine Kapelle entstanden sein, denn für Gruonbach - am grünen Bach - war St. Dionys unserer Kirche Patron und Husvatter.

Im Jahr 1071 wird in einer Stiftungsurkunde für das neue Aureliusmünster des Klosters Hirsau als einer der 17 adeligen Zeugen ein Buobo de Gruonbach erwähnt. Auch in weiteren Dokumenten des 12. und 13. Jahrhunderts werden Angehörige dieser fränkischen Ministerialen aus dem niederrigen Adel erwähnt, die vermutlich am Hang oberhalb der Kirche ihren Wohnsitz hatten. 

Im 11. oder 12. Jahrhundert wurde eine größere romanische Kirche mit Turm und einer den Kirchhof umfassenden Wehrmauer errichtet. Für diesen Neubau wurden auf der Ostseite mächtige Stützmauern angelegt. Fundamentreste dieses Baues wurden bei Renovierungsarbeiten 1964 und 1998 freigelegt, jedoch leider nicht von Archäologen genauer untersucht. Neben den steinernen Stockwerken des heutigen Kirchturms und der Ringmauer ist nur noch ein alter Taufstein erhalten. Der Platz zwischen Ringmauer und Kirche wurde als Begräbnisplatz genutzt und diente in Notzeiten den Bewohnern als Zuflucht. 

Grunbach war im Mittelalter eine der nördlichsten Pfarreien im Bistum Konstanz und mit seinen eigenen Weinbergen und Gütern nicht unvermögend. Ein Dokument aus dem Jahre 1275 wurde sogar von einem Decanus von Grunbach unterschrieben und mit einem Bild des St. Dionys gesiegelt. Mehrere Gebäude außerhalb der Kirchenmauern, alle mit tiefen gewölbten Kellern, gehörten damals zu dieser Kaplanei und beherbergten neben dem Plebanis (Leutepriester) noch mindestens einen Frühmesser. 

Für die wachsende Bevölkerung wurde bald eine neue und größere Kirche erforderlich, die nach der Inschrift über dem Eingang zum Langhaus 1481 geweiht wurde. Der gotische Chor mit dem schönen Kreuzrippengewölbe und Schlussstein mit dem Bild des Kirchenpatrons St. Dionys wurde nach den erhaltenen Steinmetzzeichen erst um 1500 fertiggestellt. Daneben wurden auch der Heilige St. Veranus und vor allem St. Vincentius, als Schutzheiliger der Weingärtner, mit eigenen Altären in diesem Gotteshaus verehrt. 

Für die Toten, die nach dem Brauch des Mittelalters nahe den Altären der Kirchenheiligen bestattet sein wollten, gab es während dem Bau der neuen Kirche keinen Platz mehr innerhalb der Ringmauer. Ein neuer Friedhof wurde daher westlich der Kirche (heute Kirchplatz 5-7) angelegt und bis 1712 als Oberer Friedhof benutzt. Von dort stammen vermutlich auch die heute in die Stützmauer der unteren Terrasse eingemauerten insgesamt 6 Steinkreuze mit den eingemeißelten Hapen. 

Einschneidende Veränderungen gab es nach der Reformation. Einer Inventarliste von 1538 sind die Vermögenswerte zu entnehmen die an den württembergischen Herzog abgeführt werden mussten. Ausgenommen wurde nur das Wohnhaus des vermutlich letzten katholischen Priesters Alt Hans Wetzel, das dieser der Gemeinde geschenkt hatte und danach Schul- und Rathaus wurde. Alle Heiligenbilder, Reliquien und Altäre wurden zusammen mit sämtlichen Dokumenten entfernt und zerstört. Lediglich die Grabplatte des Joh. Lyns aus Winnenden (+1617), die bis in die Neuzeit an der Außenwand der Kirche und heute im Chor aufgehängt ist, hat diesen Bildersturm überlebt. Die Verehrung dieses Grabes lässt vermuten, dass in seiner Amtszeit der Kirchenneubau entstand. 

Mit zusätzlichen hölzernen Emporen im Langhaus und Chorraum wurden seit Anfang des 18. Jhdt. immer wieder zusätzlich Sitzplätze für die größer gewordene Bevölkerung geschaffen. 1861 wurde jedoch amtlich festgestellt, dass mit 667 Sitzen die Vorgabe für die damaligen 1353 Einwohner um 235 Plätze verfehlt wurde. Die dazu angefertigten Pläne zeigen den Istzustand der Kirche noch ohne Heizung, und die geplanten Erweiterungen. Die Sanierung wurde im November 1863 nach großen finanziellen Opfern der Gemeinde abgeschlossen. Für die geplante Kirchenvergrößerung reichte jedoch das eingesammelte Geld nicht aus. 

Bei dieser Modernisierung wurden auch ein neuer Treppenaufgang und die südliche Terrasse mit einer darauf gepflanzten Linde angelegt. Seit 1923 befindet sich hier auch das Denkmal für die gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege.

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ist das Alte Schul und Rathaus, ein schmuckes Fachwerkhaus direkt oberhalb der Dionysiuskirche an der Lindenstraße (Ortsdurchfahrt) gelegen.

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Altes Schul- und Rathaus

Kiesersche Forstkarte 1686
Rathaus und Spritzenhäusle um 1930
Aktuelle Gebäudeansicht

Kirchplatz 15

Eine erst urkundliche Erwähnung des Gebäudes finden wir in einem Inventarverzeichnis von 1538 zum Ende der Reformation. Danach hat der letzte katholische Pfarrer Alt Hans Wetzel sein Pfarrhaus denen von Grunbach gestiftet. Dies bestätigt auch die Güterbucheintragung von 1603 über die Zinszahlung derer zu Grunbach aus ihrem Bürgerhaus an der Kirchenmauer. 

Auf der Miniatur der Kieserschen Forstkarten von 1686 ist westlich der Kirche ein großes Gebäude zu sehen. In der Großen Stuben fanden die Ratsversammlungen statt und sehr wahrscheinlich auch seit 1559 der Schulunterricht. Aus dem Jahr 1700 ist ein Beschwerdeschreiben an den Synodus, die oberste Kirchen- und Schulaufsicht in Stuttgart, erhalten. Darin beklagt sich der Schulmeister Dionysius Hegelin (1632-1707) über die zu kleinen Räumlichkeiten im Schul- und Rathaus. Zu dieser Zeit war der Heilige, also die Kirchenpflege, für den Unterhalt der Schule und der Schulmeisterwohnung im unteren Stockwerk verantwortlich.

Aktenkundig ist die Beschädigung und Plünderung des Rathauses während der französischen Invasion von 1707 (Spanischer Erbfolgekrieg) bei der viele Dokumente des Flecken Grunbach stark beschädigt und verloren gingen. In den Visitationsberichten der Schule wird 1734 der schlechte Bauzustand des Hauses reklamiert. Aber erst 1769 erfolgte ein größerer Umbau, bei dem das Gebäude um 7 Schuh (ca. 2m) zum Kirchplatz hin verlängert wurde.

Danach befanden sich im Obergeschoss das Amtszimmer des Schultheißen, ein Raum zur Unterbringung der amtlichen Dokumente, eine Arrestzimmer und die Ratsstube. Dort tagte der Vorläufer des Gemeinderats, bestehend aus 12 wohlhabenden und angesehenen Bürgern (des Gerichts) und 6 Ratsverwandten (des Rats). Dieses Gremium entschied, unter dem Vorsitz des auf Lebenszeit ernannten Schultheißen, über die Belange des Fleckens. Es waren meist die Schlichtung von Streitigkeiten, Bestrafung kleinerer Vergehen und Protokollierung sämtlicher Einbürgerungen, Kauf-, Inventar- und Erbverträgen. Ein ganz erhebliches Pensum, das hier nur mit Hilfe eines Schreibers vom Königlichen Oberamt Schorndorf von den „Bauernschultheißen“ bewältigt werden musste.

Im Erdgeschoss befand sich eine Schulstube in der bei meist über 100 Kindern eine drangvolle Enge geherrscht haben muss, und die Wohnung des Schulmeisters. Erst 1816 wurde diese in ein zweites Klassenzimmer umgewandelt, damit wenigstens alle Kinder einen Sitzplatz hatten. Eine weitere Vergrößerung der Schulräume brachte in der Amtszeit vom Schultheiß Jakob Deile 1891 die überdachte Außentreppe als Zugang zum Ratssaal und Amtsräumen an Stelle des Treppenhauses innerhalb des Gebäudes.

Der für Veranstaltungen genutzte ehemalige Ratssaal im Obergeschoß erhielt seine Ausstattung in der Amtszeit von Schultheiß Deile. Unter seinem Amtsnachfolger Hermann Jerger wurden 1934 der marode Dachstock und die schlechte Bausubstanz des alten Hauses beanstandet. Geldmangel und der 2. Weltkrieg verhinderten jedoch eine Sanierung. Lediglich die Aktenberge sowie das Brennmaterial, wurden nicht mehr unterm Dach gelagert, um das Gebälk von dieser Last zu befreien.

So kam es, dass sich 1954 die Baubehörde zur Schließung des Hauses wegen Baufälligkeit veranlasst sah. Eine Generalsanierung 1966 rettete das ehrwürdige Gebäude vor dem vollständigen Verfall. Dabei erhielt der gesamte untere Stock eine massive Steinmauer anstelle der Fachwerkkonstruktion und die ehemaligen Schulräume wurden zu Amtszimmern der Rathausverwaltung umgestaltet.

Auch der alte „Heiligenkeller“ in dem bis ins 19. Jahrhundert der Weinzehenten des Heiligen eingelagert und ausgebaut wurde bekam damals einen Zugang von der Westseite aus und ist seitdem ein beliebter Veranstaltungsraum.

Bis 1954 war der heutige Parkplatz zwischen Rathaus und Kirchenmauer der Gemüsegarten der Schulmeister. Unterhalb des Gemüsegartens, direkt an die Kirchenmauer angebaut, stand seit 1812 das Spritzenhäuschen. Es diente der Freiwilligen Feuerwehr zur Unterbringung ihrer erst tragbaren, dann fahrbaren Feuerwehrspritze. Da es für die modernen Fahrzeuge bald viel zu klein war, wurde es zu Gunsten der Parkplätze abgebrochen, und die Geräte in die Mittlere Kelter verlagert.

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ist der Ernst-Heinkel-Brunnen. Er liegt am Ortsausgang Grunbach in Richtung Buoch direkt rechts an der Lindenstraße (Ortsdurchfahrt) und ist in wenigen Gehminuten erreichbar.

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Ernst – Heinkel – Brunnen

Heinkelbrunnen um 1940

Der alte Lindenbrunnen versorgte schon seit vielen Jahrhunderten die Bewohner des in einigem Abstand zum Ortskern liegenden „Hofes“, bestehend aus mehreren Gebäuden. Vermutlich lebte auch der Namensgeber des Flurnamens „Katzenöhrn“, ein Balthasar Katzenöhrlin um 1480 hier an dieser markanten Wegkreuzung am nördlichen Ortsausgang.

Anlässlich der Verleihung des von Adolf Hitler gestifteten „Deutschen Nationalpreises für Kunst und Wissenschaft“ im Jahr 1938 an Ernst Heinkel stiftete dieser Geld für die Neugestaltung der Brunnenanlage, in die auch die damals schon recht alte Linde integriert wurde.

In der Sitzung der Gemeinderates Grunbach vom 10. Februar 1938 war über den Wunsch Ernst Heinkels beraten worden, den bereits bestehenden „Lindenbrunnen“ am Ortsausgang direkt an die dortige Linde zu versetzen. Des Weiteren sollte der Brunnen unter Kostenübernahme durch Ernst Heinkel „auch sonst würdig ausgestaltet werden“. An den Grabarbeiten für die neue Anlage, die mit einer kleiner Mauer eingefasst wurde, beteiligten sich „zahlreiche Volksgenossen“ (Zitat aus der GR-Sitzung vom 16. Dezember 1928). Die Kosten für den neu gestalteten Brunnen, die sich auf 3.750 Reichsmark beliefen, wurden vollständig vom Stifter Ernst Heinkel übernommen. Nach seiner Fertigstellung im Jahr 1939 wurde der Brunnen der Öffentlichkeit übergeben. 

„Unser Ehrenbürger Ernst Heinkel Professor Dr.Ing.e.h. Dr. phil.h.c. Nationalpreisträger 1938 stiftete diesen Brunnen seiner Heimatgemeinde zur Freude“ ist auf einer Tafel am Brunnen zu lesen. Heute ziert eine in der Nachkriegszeit gepflanzte Linde den Platz. 

Von dieser markanten Straßenkreuzung führte einst der Mühlenweg hinab zur 1869 abgebrochenen Oberen Mühle in der Buochklinge. Geradeaus führte der heutige Buchhaldenweg zum Wasserfall und in den Wald. Erst 1907 wurde der alte Feldweg in die Buoäcker, Grundstücke im Gemeindeeigentum, als Fahrstraße nach Buoch ausgebaut. Der nach Westen abzweigende Feldweg, heute Bergstraße, war und ist bis heute die Zufahrt zu den Weinbergen im Gewand „Berg“.

Der 1888 in Grunbach geborene Ernst Heinkel hat als Luftfahrtpionier Geschichte geschrieben, war zugleich jedoch tief verstrickt in das Zwangsarbeitssystem des nationalsozialistischen Regimes. Die Gemeinde Remshalden gedenkt der tausenden Menschen, die unter unmenschlichen Bedingungen während des Dritten Reiches in den Heinkel-Werken Zwangsarbeit leisten mussten. Viele hatten dabei den Tod gefunden.

Die Person und das Wirken Ernst Heinkels und auch das Leid der Opfer werden in einer Dauerausstellung im MUSEUM REMSHALDEN beleuchtet.

Weitere Informationen zu Ernst Heinkel finden Sie außerdem hier.

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ist das ehemalige Lehrerwohnhaus. Hierzu geht es entlang der Lindenstraße (Ortsdurchfahrt) wieder hinab in Richtung Ortskern bis zur Dionysiuskirche. Das schmucke Fachwerkhaus liegt an der gegenüberliegenden Straßenseite direkt an der Einmündung in die Lederstraße.

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Ehemaliges Lehrerwohnhaus

Älteste Hausansicht von 1897 - Dorfchronik Rieder
Auf dem Weg zum Backhaus um 1960

Lederstraße 3

1661 war Michael Xander (1611-1666) Eigentümer eines Hauses und einer Hofstatt an diesem Platz (auf der einst Balthaß Holmeyers Haus gestanden). Besitznachfolger wurde Daniel Xander (1655-1719) ein Acciser (Steuereinnehmer) und Unterkäufer (Weinhändler), der gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Hans Jakob Louy (1682-1763), einem Zimmermann aus Backnang, den zweistockigen Fachwerkneubau errichteten. 

Johannes Hägele (1768-1842), Gemeinderat und Stiftungspfleger, und mit Jacobine Magdalene Xander verheiratet, erwarb 1814 das Haus und ließ Verbesserungen durchführen. Von seinem Schwiegersohn Isaak Friedrich Gerst (1794-1878) kauften 1846 die Gemeinde und die Stiftungspflege Grunbach das Haus gemeinsam als Dienstwohnung für den Schulmeister Christoph Reinhold Barchet aus Korb und seine Familie.

Nachdem um 1900 im Erdgeschoss zusätzlich noch der alte Viehstall zur 2. Wohnung ausgebaut wurde lebten überwiegend Lehrerfamilien hier. Die Gemeinde Remshalden startete 1976 dann den Umbau zu Büroräumen für das Bauamt. Diese Nutzung endete 2011 mit dem Umzug ins neue Rathaus. Seither ist es wieder ein repräsentatives Wohnhaus am Kirchplatz. 

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ist das ehemalige "Olgastift" in der Olgastraße. Hierzu der Durchgangsstraße weiter hinab in Richtung Ortskern folgen. Das stattliche Gebäude Olgastraße 41 liegt rechter Hand unmittelbar vor der Einmündung in die Kelterstraße.

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Backhaus an der Linde

1744 gehörte dieses ehemalige „Waschhaus“ zum imposanten Fachwerkgebäude des Hans Jerg Xander in der Lederstraße 3, seit 1846 die Dienstwohnung des Schulmeisters Christoph Reinhold Barchet. 

1846 erwarb die bürgerliche Gemeinde Grunbach dieses „Waschhaus“ von Isaak Friedrich Gerst und baute es zum „Gemeindebackhaus“ um. Dazu wurde der Dachstuhl erneuert und ein gemauerter Backofen, entsprechend den amtlichen Vorgaben zur Einsparung von Heizmaterial und dem Verbot von Einzelbacköfen in den Bauernhäusern, errichtet. 

1847 wurde dieses „Gemeindebackhaus“ nach einem Antrag des Bürgerausschusses mit einer zusätzlichen „Dörre“ zum Trocknen von Obst ausgerüstet. Nach dem damaligen Gemeinderatsprotokoll wurde der Amtsdiener Zeyher als Pächter eingesetzt. Er musste das Holz selbst beschaffen und kassierte von allen Nutzern dafür ein „Pachtgeld“. Es waren 9 Kreuzer für ein grünes Simri (altes Hohlmaß – ca. 20 Liter) Schnitze und 12 Kreuzer für ein Simri mit Zwetschgen oder Hutzel (Birnen). 

Das heute unter Denkmalschutz stehende Backhaus ist als Gemeindebackhaus noch immer in Benutzung. Dank großen ehrenamtlichen Engagements der Bürgerinitiative „Backhauskultur“ konnte das Backhaus im Jahr 2015 saniert werden. Hierbei wurde insbesondere ein neuer Backofen installiert und ein neues Farbkonzept im Innenbereich umgesetzt.

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Ehemaliges „Olgastift“

Luftbild des Olgastifts mit Wandelgarten neben der Unteren Kelter 1925
Eingang ins „Olgastift“

Olgastraße 41 und 43

Dieses stattliche Gebäude in der Olgastraße hat eine äußerst wechselvolle Geschichte. Die Anfänge gehen auf das Jahr 1760 zurück als Johanna Maria Brauchin, geb. Sack (1705-1778), die Witwe des langjährigen Grunbacher Pfarrers Johann Philipp Brauch eine ehemalige Hofstatt für 80fl bares Geld kaufte. An der Ecke der heutigen Olga – und Kelterstraße baute sie für sich und ihre Kinder ein neues Wohnhaus für das erstmals im Jahr 1761 Steuern bezahlt wurden. 

Im Januar 1762 kam Philipp Peter Mezger (1737-1793), ein Pfarrerssohn aus Winterbach, und bisheriger Substitut (Mitarbeiter) der Stadt- und Amtsschreiberei Schorndorf nach Grunbach, und wurde vom Schorndorfer Oberamtmann Ludwig Erhard Fischer den Schultheißen und Fleckenmagistraten (Gemeinderat) von Grunbach, Geradstetten und Endersbach als neuer Amtmann und Vorgesetzter vorgestellt. 

Der Amtmann war erst 4 Monate im Amt als er mit der Heirat der Pfarrerstochter Susanna Helena Brauchin eine gute Partie machte. Als Heiratsgut erhielt die Ehefrau von ihrer Mutter neben Kleidern und Schreinerwerk noch die bemerkenswerte Summe von 800fl Bargeld in verschiedenen Sorten die sofort in die Modernisierung des Hauses investiert wurden.

Mezgers neues Amt und sein Weincommerz (Weinhandel) scheinen sehr ertragsreich gewesen zu sein, denn nur 1 Jahr später begann er mit einem systematischen Kauf der angrenzenden Häuser und Grundstücke. Auch das alte Scheuerle und Häuslen der Witwe Berner wurden 1766 abgebrochen und auf diesem Platz eine neue Scheuer, das spätere Gebäude Olgastraße 43 errichtet. Mezger führte also bereits damals eine „Sanierung“ der sehr dichten alten Bebauung zwischen der Vorderen- und Hinteren Gasse durch. Wie eine weitere Steuererhöhung zeigt war 1779 die Erweiterung und Renovierung des Gebäudes der Schwiegermutter abgeschlossen. 

Nach dem Tod der Schwiegermutter 1779, der alten Frau Pfarrer Brauchin, war Philipp Peter Mezger Alleinbesitzer des Anwesens. Umgehend startete er die nächsten Baumaßnahmen zur standesgemäßen Unterbringung seiner größer werdenden Familie. Vom Nachbarn David Fischer (heute Kelterstr. 4) kaufte er einen weiteren Gartenanteil auf dem er einen Flügel an sein Haus gebaut, einen gewölbten Keller darunter gesetzt. Es ist dies das heutige Haupthaus entlang der Kelterstraße. 

1793 starb Philipp Peter Mezger im Alter von nur 56 Jahren und vererbte das Haus seiner Witwe aus 2. Ehe und den überlebenden 6 Kindern. Neuer Hausbesitzer wurde 1799 nach dem Tod seiner Stiefmutter der Sohn und spätere Commerzienrat Carl Friederich Mezger (1771-1841) zusammen mit seiner Schwester Louisa. 

1832 verlassen die beiden Erben Grunbach und das dreistöckiges Wohnhaus mitten im Dorf an der Vorderen Gasse, samt einer 2stöckigen Scheuer, Hofraitin, gewölbtem Keller, Blumengärtle und Länder, ging für 5.100fl an den Buocher Pfarrer Johann Maximilian Reinfelder jr. (1763-1846). Nach dem Tode des Vaters erbte 1846 der Sohn Dr. Friederich Joseph Maximilian Reinfelder (1799-1859). In seiner Steuerurkunde ist erstmals vermerkt, dass in der zweistockigen Scheuer im Obergeschoß ein Gartensaal und 2 Kammern eingerichtet wurden und zwischen dem Hauptgebäude und der Scheuer ein Waschhaus gebaut wurde. Zum Anwesen gehörte schon damals ein großer Garten neben der Lorcher Kelter, der im 20. Jahrhundert als Keltern- und Parkplatz genutzt wurde und heute überbaut ist.

1866 wurde das ganze Anwesen an den Verwaltungsrat der gemeinnützigen Evangelischen Frauenhilfe e.V. in Stuttgart verkauft. Die 1846 durch wohlhabende Honoratioren mit pietistischer Gesinnung gegründete Evangelische Frauenhilfe betrieb schon seit einigen Jahren im Schloss in Kirchheim/Teck das „Henriettenstift“ als Asyl für vereinsamte ältere Frauen und Jungfrauen aus gebildetem Stand. Wegen der großen Nachfrage wurde dringend eine Erweiterung gesucht und in Grunbach gefunden. Am 11.September 1866, dem Geburtstag der Württembergischen Königin Olga (1822-1892) – getauft als Olga Nikolajewna Romanova, Großfürstin von Russland - wurde in lieblicher und sehr gesunder Lage des Remstals das „Frauenstift“ mit 16 Bewohnerinnen eröffnet. Ab Februar 1874 übernahm die Königin die Patenschaft und das Haus durfte sich nun auch „Olgastift“ nennen.

 Die alte Scheuer mit dem Gartensaal wurde 1875 abgerissen und dafür ein neues 2stockiges Wohnhaus mit gewölbtem Keller, Küche, Holzremise, Holzschuppen und bedecktem Gang im Hofraum errichtet. Es ist dies das heutige Wohnhaus Olgastraße 43. 

1955 musste der Verein der Ev. Frauenhilfe Württemberg das „Olgastift“ wegen Finanzierungsproblemen aufgeben. Neuer Besitzer wurde die Familie Ehmann aus dem Adler, die im Haus ein Café mit Bäckerei einrichtete und den Hofraum zwischen den Gebäudeteilen Olgastr. 41 und 43 mit einem Verkaufsladen überbaute. 30 Jahre später ging das Haupthaus Olgastraße 41 an die Gemeinde Remshalden. Nach einem Umbau konnte die Verwaltung mit dem Archiv 1989 aus dem „Alten Rathaus“ hierher umziehen. 

Jedoch schon wenige Jahre später endete auch dieses „Interim“, denn 1998 stand der Umzug ins neue Bürgerhaus in der ehemaligen „Unteren Kelter“ an. Damit gab es Platz für das schon lange geplante „Heimatmuseum“ mit Abteilungen für die Sammlungen der Heimatvertriebenen und Gottfried Seibolds. Nach einem Deckeneinsturz 2001 endete jedoch auch diese Nutzung. Ein Investor erwarb das Haupthaus und wandelte es in Eigentumswohnungen um. 

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ist der Standort des ehemaligen Geburtshauses von Ernst Heinkel in der Reinhold-Maier-Straße, direkt beim Gasthof "Hirsch", nur einige Meter vom Reinhold-Maier-Platz entfernt. Am Nebengebäude des ältesten Gasthofs im Remstal erinnert eine Tafel an den einstigen Flugzeugkonstrukteur und Pionier der Luftfahrt.

 

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Standort des ehemaligen Geburtshauses Ernst Heinkels

ehemalige Reinhold-Maier-Straße 8 und 12

Reinhold-Maier-Straße 10

In dem heute nicht mehr existierenden Gebäude wurde am 24. Januar 1888 Ernst Heinrich Heinkel, der spätere Flugzeugpionier, als 2. Sohn des Carl Heinkel (1850-1930) und der Grunbacherin Catharina Xander (1856-1922), geboren. Der Vater, ein Kupferschmid aus Kirchheim /Teck, kaufte zwei Jahre nach der Hochzeit 1883 zunächst den unteren Stock des Hauses, sowie 1894 zusätzlich die obere Etage. Zur Erweiterung seiner recht erfolgreichen Flaschnerei erwarb er 1900 auch noch das direkt angebaute Anwesen Reinhold Maier Straße 8. Dort entstanden wohl auch seine ersten tragbaren Weinbergspritzen die von den Weingärtnern so dringend zur Bekämpfung der Peronospora benötigt wurden.

Der erste nachweisbare Hausbesitzer war Leonhard Pfost (1634-1689), der Wirt aus dem Nachbarhaus, der seit 1500 nachweisbaren Neuen Herberge. In den Folgejahren gab es unter den hier lebenden Handwerkern (Schmiede, Schlosser, Seiler, Korbmacher etc.) häufige Besitzerwechsel an denen meist auch die Gastwirte der ehemaligen „Sonne“ und späteren „Hirsch“ beteiligt waren. 

Sogar das Grunbacher Armenhaus befand sich seit 1802 über 40 Jahre lang in diesen Räumen, die gegen einen billigen Hauszins an Ortsarme vermietet wurden. Es bot auch durchreisenden Bettlern eine Übernachtungsmöglichkeit im Wacht- und Arrestzimmer unter Aufsicht des Bettelvogts. 

Seit 1923 betrieb Wilhelm Fink (1899-1977) im Untergeschoß seine Eisenwarenhandlung Fink & Knecht. Nach seinem Tode wurde das alte Gebäude vom Hirschwirt Friederich Wachter abgerissen und 1986 durch einen neuen Küchentrakt für sein Hotel ersetzt. Zusätzlich entstand im Garten noch ein neues Wohnhaus. 

Heute wird mit einer Tafel am ehemaligen Standort des Geburtshauses an Ernst Heinkel erinnert, der im Flugzeugbau große Erfolge erzielt und als Luftfahrtpionier Geschichte geschrieben hat, zugleich aber auch tief verstrickt in das Zwangsarbeitssystem des nationalsozialistischen Regimes war. Die Gemeinde Remshalden gedenkt der tausenden Menschen, die unter unmenschlichen Bedingungen während des Dritten Reiches in den Heinkel-Werken Zwangsarbeit leisten mussten. Viele fanden dadurch den Tod.

1932 wurde Ernst Heinkel aufgrund seiner geleisteten Verdienste als Konstrukteur und Unternehmer die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Grunbach verliehen. Sie ist mit seinem Tod im Jahr 1958 erloschen. 

Eine Dauerausstellung im MUSEUM REMSHALDEN beleuchtet die Person und das Wirken Ernst Heinkels und auch das Leid der Opfer.

Weitere Informationen zu Ernst Heinkel finden Sie außerdem hier.

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ist die Ernst-Heinkel-Straße. Nach Überquerung der Reinhold-Maier-Straße geht es ein Stück weiter westlich die Schillerstraße bergauf bis zur Kreuzung Ernst-Heinkel-Straße. Die Informationstafel befindet sich dort direkt unterhalb des Straßenschildes.

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Ernst – Heinkel – Straße

Im Flohhöfle um 1910

Auf der ersten Straßenkarte von 1832 gab es diese Straße noch nicht. Östlich der Hinteren Gasse (Schillerstraße) wurde der Zugang zu den drei kleinen Wohngebäuden, in denen überwiegend Weber lebten und arbeiteten, das „Flohhöfle“ genannt. Erst 1955 wurde die Straße verbreitert und der Durchgang zur Vorderen Gasse (Olgastraße) hergestellt. 

Auf der gegenüberliegenden Seite der Hinteren Gasse führte ein Feldweg, das „Siechengässle“ genannt, in die Äcker und Weinberge im Gewand „Hühnerweide“. Nach einem Plan der Gemeindeverwaltung von 1928 sollte hier, zur Linderung der akut bestehenden Wohnungsnot, ein Neubaugebiet entstehen. Die dazu neu angelegte Zufahrtsstraße wurde 1932 dem auf einstimmigen Beschluss des Gemeinderates neu ernannten Ehrenbürger der Gemeinde gewidmet. 

Den Anlass dazu gaben das zehnjährige Bestehen der „Ernst Heinkel Flugzeugwerke“ in Warnemünde und die bis zu diesem Zeitpunkt geleisteten Verdienste Heinkels als Flugzeugkonstrukteur und Unternehmer.

In der Niederschrift über die Sitzung des Gemeinderates Grunbach am 28.10.1932 ist zur Begründung der Verleihung des Ehrenbürgerrechts sowie der Straßenbenennung Folgendes vermerkt: „Aus Warnemünde ist dem Vorsitzenden mitgeteilt worden, dass die Firma Ernst Heinkel, Fluzegwerke, am 1. Dezember 1932 10 Jahre besteht und dass dieser Anlass von der Universität Rostock und der Stadt Warnemünde dazu benützt werde, den Inhaber der Firma, Dr. ing. eh. Ernst Heinkel durch Verleihung eines zweiten Ehrendoktors und Benennung der größten Verkehrsstraße in Warnemünde nach ihm, zu ehren. Dr. Ernst Heinkel ist geborener Grunbacher. Als Pionier auf dem Gebiete des Flugwesens hat er die von ihm gegründete Firma im Lauf der Jahre zu einem weltbekannten Unternehmen gestaltet. […] hält es der Gemeinderat in Anbetracht der großen Verdienste um das deutsche Flugwesen und damit der gesamten deutschen Wirtschaft sowie im Hinblick auf die dadurch erworbene Achtung des Auslandes vor unserem deutschen Vaterland für durchaus angebracht und gerechtfertigt, wenn die hiesige Gemeinde aus dem oben genannten Anlass ihrem großen Sohne ebenfalls eine Ehrung zuteil werden lässt.“

Der 1888 in Grunbach geborene Ernst Heinkel hat als Luftfahrtpionier Geschichte geschrieben, war zugleich jedoch tief verstrickt in das Zwangsarbeitssystem des nationalsozialistischen Regimes. Die Gemeinde Remshalden gedenkt der tausenden Menschen, die unter unmenschlichen Bedingungen während des Dritten Reiches in den Heinkel-Werken Zwangsarbeit leisten mussten. Viele hatten dabei den Tod gefunden.

Die Person und das Wirken Ernst Heinkels und auch das Leid der Opfer werden in einer Dauerausstellung im MUSEUM REMSHALDEN beleuchtet.

Weitere Informationen zu Ernst Heinkel finden Sie außerdem hier.

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ist die ehemalige "Untere Kelter", das heutige Bürgerhaus an der Ecke Schillerstraße/Kelterstraße mit angeschlossener Seniorenwohnanlage. Der Schillerstraße weiter bergauf folgend, erreicht man das Gebäude nach knapp 100 Metern Fußweg.

Ehemalige "Untere Kelter"

Untere Kelter um 1900
Genossenschaftskelter 1959

Schillerstraße 30

1328 erhielt der Abt des Klosters Lorch von dem Württemberger Grafen das Recht zum Bau einer eigenen Kelter, die Lorchische Kelter oder auch Abtskelter genannt wurde. 1491 wurde das baufällige Keltergebäude durch einen Neubau bei der Wettin (Teich zur Viehtränke) mit dem heute noch vollständig erhaltenen tiefen Gewölbekeller ersetzt.

Erst 1722 erfolgte der Neuaufbau der im 30jährigen Krieg abgebrannten Kelter. Die nur noch bei großen Ernten genutzte Untere Kelter erwarb 1832 die Gemeinde Grunbach. Neben dem hier eingelagerten Herbstgeschirr war bis 1886 noch der Farrenstall (Farren = Zuchtbullen) und im Dachgeschoß das Ortsgefängnis für die Arrestanten des Büttels untergebracht.

1907 stellte die Gemeinde den Mitgliedern der 1888 gegründeten Milchgenossenschaft e.V. im nördlichen Teil den Raum für ein Milchhäusle zur Verfügung. Bis 1956 wurde die hier angelieferte Milch täglich mit der Eisenbahn nach Stuttgart zum Verkauf gebracht. 

Der Kelterbetrieb wurde 1930, nach Ersatz der beiden alten Kelternbäume (Weinpresse) und der Trotte (Spindelpresse) durch eine hydraulische Anlage, wieder aufgenommen. Im Jahr 1952 beschloss die 1940 gegründete „Weingärtnergenossenschaft eGmbH“ eine Konzentration des Herbstgeschäftes in dieser Unteren Kelter. Für diese Aufgabe wurde der angrenzende bisherige Wandelgarten des Olgastifts angekauft. Weitere Umbauten und Modernisierungen der Einrichtung mit Tankeinbauten folgten 1959. 

Nach dem Umzug der Weingärtnergenossenschaft in ihren Neubau am Ortsrand erfolgte dann 1996 der große Umbau zum Bürgerhaus mit Cafeteria, Büroräumen für die Verwaltung, sowie dem großen Bürgersaal mit dem freigelegtem historischen Dachstuhl. Nachdem die Verwaltung 2011 ins Neue Rathaus umgezogen ist, steht derzeit der nächste Umbau für eine neue Nutzung bevor. 

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ist das ehemalige Schulhaus, das nur knapp 100 Meter weiter oberhalb an der Schillerstraße liegt (Schillerstraße 47).

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Ehemaliges Schulhaus

Ehemaliges Schulhaus um 1950
Anbau an der Friedhofstraße 1958

Schillerstraße 47 

Um 1730 baute Mathies Schiek (1679-1736) , ein Küfer aus Urbach, direkt neben den beiden Keltern auf der Hofstatt seines Schwiegervaters Nicolaus Knauer vom Nebenhaus eine neue 2stockige Behausung und Scheuer unter einem Dach, auch 2 Keller darunter, sodann eine neue Stallung und Backofen dabei. Es ist anzunehmen, dass mindestens einer der tiefen Gewölbekeller vom Vorgängerhaus stammt und damit auch sehr viel älter ist. 

Mathies Schiek war zuerst Unterpfleger des Klosters Heidenheim und später sogar Schultheiß von Grunbach. Durch den Weinhandel war er wohlhabend geworden und konnte sich solch einen repräsentativen Neubau mit dem großen gewölbten Weinkeller leisten.

1809 wurde Johannes Hottmann (1777-1852), ein Enkel des Johann Friederich Hottmann vom Osterhof, neuer Besitzer. Auch er war durch den Weinhandel zu einem der wohlhabendsten Grunbacher geworden. Nach dem für seine Erben erstellten Inventurverzeichnis lagerten bei seinem Tode im Keller noch 120 Eimer (34.000 Liter) Wein, 10 Eimer (2.900 Liter) Obstmost sowie 8 Imi (150 Liter) Branntwein. 

1911 erwarb Schultheiß Deile von den Erben Hottmann das alte Bauernhaus für die Gemeinde. Nach umfangreichen Baumaßnahmen wurden in diesem Neuen Schulhaus zwischen 1913 und 1958 überwiegend die Oberklassen 5-8 unterrichtet. Im Obergeschoss befand sich die Dienstwohnung des Oberlehrers.

Der alte Viehstall an der Friedhofstraße wurde 1911 abgebrochen und durch einen neuen Saalanbau mit einem Klassenzimmer ersetzt. Dieser Anbau wurde 1948 aufgestockt um für die rasant wachsenden Schülerzahlen ein weiteres Klassenzimmer zu schaffen. Diese Erweiterung auf 3 Klassenzimmer war ebenfalls nur eine Übergangslösung, denn als 1954 auch die beiden Unterrichtslokale im Alten Rathaus wegen Baufälligkeit geschlossen werden mussten, war ein Neubau unumgänglich. Das ehemalige „Neue Schulhaus“ ging in Privatbesitz über und wird seither als Wohn- und Geschäftshaus genutzt.

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ist direkt gegenüber das heutige MUSEUM REMSHALDEN in der ehemaligen "Oberen Kelter" samt Museumsmagazin in der "Mittleren Kelter".

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Ehemalige "Mittlere Kelter" und "Obere Kelter"

Obere Kelter vor dem Umbau 1928
Die Mittlere Kelter vor dem Umbau 1928
Die "Obere Kelter" - heute das MUSEUM REMSHALDEN

Schillerstraße 44 und 48

Ein Dokument von 1245 über den hiesigen Weinbau bezeugt der Kirche zu Backnang im Domkapitel Speyer  auch Besitzungen in Gronbach mit Weinbergen. Da die Weinberge damals bis zum heutigen Kirchplatz reichten war der Standort der zugehörenden Keltern naheliegend.

Zehn Jahre vor dem Bau der Lorcher Kelter, am 25. Juli 1328, bekräftigt Graf Ulrich III. in einem Pergament, dass das Kloster in Grunbach Kelterrecht hat und schlichtet damit einen vorangegangenen Streit zwischen den Bürgern und dem Kloster über die Benutzung dieser Einrichtung. 

Da seit 1480 der überwiegende Teil der Grunbacher Weinberge den Klöstern Lorch und Heidenheim am Hahnenkamm gehörten teilten sie sich mit der Comun auch die beiden Keltern, wie 1579 über die Erneuerung des Weinzehnten nachzulesen ist. 

Beide Keltern wurden im 30 jährigen Krieg zerstört und erst Anfang des 18. Jahrhunderts in der bis heute erhaltenen Fachwerkkonstruktion neu aufgebaut. Dabei wurden sicher auch gut erhaltene Balken des Vorgängerhauses mit verbaut. 

Im Jahre 1824 kaufte die Gemeinde Grunbach auch diese beiden Keltern von der königlichen Kameralverwaltung Beutelsbach. Im Kaufvertrag ist nachzulesen, dass sie jeweils 2 hölzerne Kelternbäume (Weinpressen) und ein Kelternstübchen enthielten und dass auf dem dazwischen liegenden Platz im Herbst die Trauben gemahlen wurden. 

Dies änderte sich erst 1927 als der junge Schultheiß Hermann Jerger die 2 alten hölzernen Pressbäume in der Oberen Kelter entfernen, den Lehmfußboden abgraben und den alten Zugang an der Schillerstraße zumauern ließ. Eine neue hydraulische, über Elektromotor angetriebene Presse mit 2 Presskörben wurde installiert, die ihren Dienst bis zum Umzug 1952 in die Untere Kelter versah.

Die Mittlere Kelter, in der vorher ausschließlich der Weißwein gepresst wurde, diente von nun an als Unterkunft für den bescheidenen Fuhrpark der Freiwilligen Feuerwehr. Das Spritzenhäusle am Kirchplatz war für die neue fahrbare Feuerwehrleiter viel zu klein geworden. Nach der kompletten Verlagerung des Kelterbetriebes 1952 in die Untere Kelter ging der Umbau zum Feuerwehrmagazin weiter. Ein neuer Schlauchturm wurde 1956 angebaut und für die nun deutlich größer gewordenen Löschfahrzeuge später noch eine Garage in die Obere Kelter eingebaut. 

1983 wurde die Obere Kelter nochmals großzügig saniert und an die erweiterte Nutzung durch die Freiwillige Feuerwehr Grunbach angepasst. Nach deren Auszug 2007 begann dann die nächste Umgestaltung zum Museum von heute.

Weitere Informationen zum MUSEUM REMSHALDEN und zu aktuellen Ausstellungen finden Sie unter www.museumsvereinremshalden.de.

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Gemeindebackhaus Olgastraße 25

Das heutige Backhaus wurde im Sommer 1842 von der Gemeindeverwaltung auf dem Platz des einstigen Armenhäusles errichtet. Darin wurden mindestens seit 1602 die Ortsarmen untergebracht und vom Bettelvogt, der von Gericht und Rat (heute Gemeinderat) eingesetzt wurde, überwacht.

In einem Gemeinderatsprotokoll des Jahres 1790 können wir nachlesen, dass dem hiesigen Armenhaus der Einfall droht, so dass solches diesen Winter gesprießt werden müsse um ohne Lebensgefahr solches zu bewohnen. Solches hingegen so schlecht situiert, dass keine Reparation anschläge. So wurde gerichtlich resolviert (beschlossen), dass das Selbe von Grund aus abgebrochen und ganz neu, womöglich etwas breiter gebaut und zu 2 Stöcken eingerichtet werden solle. 

Dieser Plan wurde jedoch nicht umgesetzt, denn 12 Jahre später lesen wir weiter: Das hiesige einstockige kleine Armenhäusle ist altershalber nach und nach so in Abgang gekommen und baulos geworden, dass solches den 5. Januar 1802 bei einem in hiesigem Orts entstandenen entsetzlichen Sturmwind eingefallen und deswegen auf Abbruch verkauft worden ist. Da ein Neubau dem Gemeinderat zu teuer war wurde als Ersatz ein Hausanteil im Haus 10 in der Hauptstraße, heute Küchentrakt des Gasthofs „Hirsch“ (siehe Heft 2), angekauft. 

Nach einer Verordnung des kgl. Oberamts Schorndorf von 1835 sollten zur Einsparung von Brennholz die in den Bauernhäusern vorhandenen Backöfen stillgelegt und durch einen Gemeindebackofen ersetzt werden. Der Gemeinderat hatte Bedenken und beauftragte zunächst sein Mitglied David Seibold eine vergleichbare Einrichtung der Stadt Bietigheim anzusehen und darüber zu berichten. Als Bauplatz wurde das Gelände des ehemaligen Armenhäuschens vorgesehen, der in der Zwischenzeit als Garten genutzt wurde. Bis zur tatsächlichen Realisierung vergingen jedoch noch volle 7 Jahre. Die Gemeindeverwaltung traf keine überhasteten Entschlüsse die mit einer Geldausgabe verbunden waren.

Bei der Verbreiterung und dem Anlegen von Gehsteigen in der Olgastraße 130 Jahre später wurde der jetzt störende Treppeneingang ins Backhäusle auf die nördliche Gebäudeseite verlegt. Dort befand sich schon seit Jahrhunderten ein Schöpfbrunnen zur Wasserversorgung der Anlieger, der im 19.Jh. sogar mit einer modernen Handpumpe ausgerüstet wurde. Erst 1910, nach Realisierung der modernen Wasserversorgung, wurde der alte „Backhausbrunnen“ zugeschüttet.

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