Gemeinde Remshalden

Seitenbereiche

Ortsansicht Remshalden, Gemeinde Remshalden "Leben zwischen Wald und Reben" mit Logo

Seiteninhalt

Sie befinden sich hier: Rathaus | BM & Gemeinderat | Archiv | Artikel

Archiv

Grußwort BM Norbert Zeidler Seniorenfeier in Buoch am 6.3.2010

Artikel vom 24.06.2010

„Wir verabschieden in den UNRUHESTAND...!“ Immer häufiger lese ich das auf Einladungskarten zur Verabschiedung am Ende eines Berufslebens – ganz plakativ steht da: Wir verabschieden in den UNRUHESTAND...!

Vor allem sehr aktive Menschen, die in ihrem Beruf viel bewegt haben, werden in den so genannten „Unruhestand“ verabschiedet. Und in Abschiedsreden wird nicht vergessen zu betonen, dass ja noch so viele Vorhaben auf Verwirklichung warten, dass es darum für die Ausscheidenden gewiss kein Ruhestand wird.

„Un-Ruhestand“ ist in meinen Ohren ein starkes Wort, ein extremes Wort.

Ich habe mich gefragt: Was bedeutet es, wenn Jüngere Ältere ausdrücklich in den Unruhestand verabschieden? Soll das ein Kompliment sein?: „Sie sind doch noch voller Vitalität!“ Oder eine Beruhigungspille?: „Keine Bange, es geht alles so weiter!“ Doch auch Ältere verabschieden sich oft selber ausdrücklich in den Unruhe-Stand. Spricht daraus womöglich auch eine begreifliche Angst vor dem Ruhestand? Die Angst: Mit dem Erwerbsleben ist alles aus - meine Kreativität ist nicht mehr gefordert - keiner will mehr etwas von mir - ich bin zu nichts mehr nutz...?

In der Bibel steht das Alter auch unter einer wunderbaren Verheißung. Es heißt einmal: „Die gepflanzt sind im Hause des Herrn - ... wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein.“ (Psalm 92, 15)

Alte Menschen – voll Saft und Leben! Kreativ – und fruchtbringend – und Blüten treibend. So kann das Alter bisweilen und für manche wohl sein.

Aber das gelingt auch ohne „Unruhestand“. Denn gerade aus der Ruhe können nach dem Erwerbsleben – und da beeindrucken mich viele Senioren – ganz andere Blüten und Früchte gedeihen als zuvor.

Ich denke an einen Arzt im Ruhestand – in meiner alten Heimat. Der hat ein kleines Atelier eröffnet und animiert Kinder und Jugendliche, mit ihm zu malen, zu töpfern und zu werkeln. Manche nehmen sich das bewusst vor – gerade nicht das weiter zu treiben, was vorher ihren Beruf ausgemacht hat. In Ruhe sich den Enkeln widmen oder gar Leih-Großeltern werden, alte Freundschaften pflegen, sich sozial engagieren. Für das – und vieles andere mehr kann Zeit sein - nach dem Erwerbsleben. Die bemüht vor sich hergetragene Geschäftigkeit - der zwanghaft proklamierte „Unruhestand“ – verkrampft und deprimiert - weil eben doch vieles anders ist als zuvor.

„Manchmal müssen sich alte Menschen ganz schön viel Blödsinn anhören“, schimpfte neulich eine siebzigjährige Frau während einer öffentlichen Diskussion über die alternde Gesellschaft. „Dauernd wird uns erzählt, dass es schrecklich sei, alt zu sein. Da kann man ja wirklich schwermütig werden. Es stimmt, was das Sprichwort sagt: Alle wollen alt werden, aber keiner will alt sein.“

Studien belegen eindeutig, dass das Wort vom „freudlosen Alter“ eine Legende ist. Ältere Menschen sind, wenn sie nicht von schweren Krankheiten heimgesucht werden, genauso glücklich wie jüngere, wenn nicht sogar glücklicher. Und das hat viele Gründe. Alte Menschen sind weise. Sie erleben in ihrer Gefühlswelt spannende Gegensätze: stürmische Neugier und gelassene Beruhigung, sie messen die Fülle ihrer Erwartungen an der Fülle ihrer Erfahrungen. Die Weisheit des Alters hilft, die Dinge an ihren Platz zu rücken. Sie gibt Gewissheit. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Lebt in Deiner Nähe ein alter Mensch, so besitzt Du eine wertvolle Bibliothek.

Das Alter birgt kostbare Perlen. Schätze, die sich im Leben angesammelt haben, dürfen jetzt gehoben werden. Ruhig und ohne Hektik.. Im Laufe der Zeit haben sich so viele Begabungen angehäuft, die von den Menschen in ihrem arbeitsreichen Leben gar nicht genutzt werden konnten. Jetzt dürfen sie endlich ihre eigenen Ideen verwirklichen. Ohne Eile leben. Es gibt kein „du musst…du sollst“ mehr. Die Botschaft lautet: Ich muss nicht mehr immer „gut drauf sein“, um überall anerkannt zu werden, alles bestens zu machen. Welch eine Freiheit!

Das nennt man Gelassenheit. Sich lösen von der Schwerkraft des Daseins und mit dem eigenen Leben aussöhnen. Gelassen werden heißt, sich mit dem Scheitern anzufreunden, sich Misserfolge zu verzeihen und keine Zeit mehr damit zu verschwenden, über Ereignisse nachzugrübeln, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Der dänische Religionsphilosoph Sören Kierkegaard schrieb: „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man das Leben vorwärts.“

Es dauert viele Jahre, bis man jung ist“, sagte Pablo Picasso. Alte Menschen und junge Menschen passen gut zusammen. Sie haben etwas gemeinsam. Die einen stehen noch nicht im Kampf des Lebens, die andern nicht mehr. Das verbindet. Die Erfahrung, dass es keine trennenden Grenzen gibt, kann für beide Generationen ein ermutigendes Glücksgefühl sein. Picasso hat recht: Das Schöne am Alter ist, dass man jung ist. Und alt zugleich.

Weitere Informationen

Hinweis

Die Inhalte werden vom Bürgermeisteramt Remshalden gepflegt. Bei Fragen oder Anregungen wenden Sie sich bitte an dieses.

Kontakt

Gemeindeverwaltung Remshalden
Rathausstraße 24
73630 Remshalden
Fon: 07151/9731-0
Fax: 07151/9731-124
E-Mail schreiben

 
Rathaus Remshalden | Rathausstraße 24 | 73630 Remshalden | Fon: 07151/9731-0 | Fax: 07151/9731-124